Musikgesellschaft Schnottwil

Queen Symphony sorgt für Hühnerhaut

SOLOTHURNER ZEITUNG, 24. November 2014

Eindrücklich, sowohl optisch wie auch akustisch: Chor und Orchester unter der Leitung von Thomas Trachsel. Quelle: Hans Blaser

Eindrücklich, sowohl optisch wie auch akustisch: Chor und Orchester unter der Leitung von Thomas Trachsel.
Quelle: Hans Blaser

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Da wurde in Schnottwil ein anspruchsvolles Musikprojekt mit Blasorchester und grossem Chor gestemmt. Das begeisterte Publikum bedankte sich mit einem herzlichen Applaus.

von Hans Blaser

 

Sie wird selten aufgeführt, die Queen-Symphony. Sie erfordert halt ein grosses, erweitertes Blasorchester und einen grossen, vierstimmigen Chor. So zelebrierte etwa die Stadtmusik St. Gallen 2013 damit ihr 150-Jahr-Jubiläum. Sie brauchte instrumentale Verstärkung und mehrere mitwirkende Chöre. Das kann man im Bucheggberg auch, sagte sich die Musikgesellschaft Schnottwil. Sie suchte sich die zusätzlichen Musikerinnen und Musiker mit den notwendigen Instrumenten zusammen und wurde zum Blasorchester Schnottwil. Im Kammerchor Ars Canticorum fand sie rasch den unentbehrlichen Chor. Dieser suchte seinerseits in der ganzen Region nach ergänzenden Stimmen. Damit war man gerüstet, das Musikwerk anzupacken.

Chor zeigt feine Unterschiede

Brian May, Gitarrist der britischen Rockband Queen schloss seinen Kommentar zum Werk treffend: «Ich bin sicher, dass es das Publikum jedes mal tief bewegen wird.» Bewegt hat es jedenfalls den niederländischen Arrangeur Erik Somers. Aus dem 2002 in London uraufgeführten Orchesterwerk des Komponisten Tolga Kashif schuf er die Blasorchesterfassung. Der Griff nach dieser eröffnete sich der MG Schnottwil genau in dem Moment, als die Neuverpflichtung ihres Dirigenten von 2001 bis 2008 Thomas Trachsel Tatsache wurde. Natürlich wäre ihr das auch mit anderen Dirigenten gelungen. Sie verfügt ja über ausgezeichnete eigene Musikantinnen und Musikanten und exzellente Verbindungen zu Aushilfen. Mit Trachsel durfte sie sich jedoch schon im Vornherein sicher sein. Sein Talent als feinfühliger Dirigent mit äusserst scharfen Ohren ist inzwischen schon bis nach Spanien bekannt. Und er ist es gewohnt, auch mit Chören zu arbeiten.

Zur Eröffnung trat in einem ersten Teil der Kammerchor Ars Canticorum noch allein auf. Unter der Leitung ihres Gründers und Leiters Peter Rufer stimmte er das Publikum mit drei Chorwerken auf das e Hauptwerk ein. So ganz nebenbei zeigte er dabei die feinen stilistischen Unterschiede zwischen den beiden Komponisten Franz Schubert und Robert Schumann.

In sechs sehr unterschiedlichen Sätzen verarbeitete Tolga Kashif Motive und Themen der britischen Rockgruppe Queen zum Hauptwerk des Abends. Es spricht sowohl für den Komponisten, wie für den Arrangeur, dass sich alle sechs zu einem harmonischen Ganzen – einem beeindruckenden Werk finden. Fast in jedem Satz dürfen sich auch Instrumente solistisch bemerkbar machen. So wird im Scherzo ein toller Lauf des Englischhorns von einem Saxofon aufgenommen. Die Oboe darf gleich in mehreren Sätzen aufblühen, die beiden Fagotte im fünften.

Langer, herzlicher Applaus

Ein besonderer Leckerbissen war der dritte Satz, das Adagio. Da ist es glücklicherweise Erik Somers nicht gelungen, alle Streicher zu ersetzen. Celli in Blasorchestern sind nicht ungewöhnlich. Da musste ihnen der Arrangeur aber fast ganz ihren originalen Auftritt lassen. Die Stimme einer einzelnen Violine war durch kein Blasinstrument zu gleichwertig ersetzen. Der elegische Dialog der Solovioline (Agata Raatz) mit den drei Celli (Alina Chebotaryova, Clémence Chippier, Eric Abeison) begleitet von grösstenteils nur wenigen Holzbläsern zeigte Hühnerhaut-Potenzial.

Mit langem, herzlichem Applaus bedankte sich das lückenlos stehende Publikum. Belohnt wurde es durch eine Zugabe, welche die beiden Klangkörper wohlweislich vorbereitet hatten. Dass dabei beide mitwirken sollen, war unbestritten. Die fanden sie im von Ben Waeber arrangierten, ursprünglich von den Rolling Stones stammenden «Ruby Tuesday».

(az. Grenchner Tagblatt)